Metrischer Ekel

Die Klebrigkeit des Gemeinwohls

Setzen Sie sich. Nein, nicht dorthin – der Tisch wackelt, und ich habe nicht die Absicht, mein Bier durch eine kinetische Instabilität zu verlieren, nur weil die Statik dieses Etablissements so fragwürdig ist wie die Quartalsberichte einer NGO. Reden wir über die „Öffentlichkeit“. Ein widerliches Wort, nicht wahr? Es trieft vor moralischem Anspruch, riecht aber in Wahrheit wie die Sitzbrille einer Bahnhofstoilette, die seit der letzten Bundestagswahl nicht mehr gereinigt wurde. Wenn Philosophen von „Öffentlichkeit“ sprechen, meinen sie einen sterilen Raum des Diskurses. Wenn ich davon spreche, meine ich den stechenden Schmerz in der Magengegend, wenn ich auf meinen Gehaltszettel schaue und sehe, wie viel Prozent meiner Arbeitskraft konfisziert wurden, um die lebenserhaltenden Maßnahmen einer Gesellschaft zu finanzieren, die im Wesentlichen aus Idioten besteht.

Das sogenannte „öffentliche Interesse“ ist keine metaphysische Kategorie, sondern lediglich die kollektive Aggregation von Neid, Missgunst und der panischen Angst, beim Plündern des Buffets zu kurz zu kommen. Wir sitzen hier in einem stochastischen Sumpf, und was wir „Kultur“ nennen, ist nur der dünne Schimmelfilm auf der Oberfläche, der verhindert, dass wir uns gegenseitig sofort an die Gurgel gehen.

Geometrie der Arschkriecherei

Betrachten wir nun das Innere einer dieser gläsernen Kathedralen der Bedeutungslosigkeit, die wir „Konzerne“ nennen. Haben Sie schon einmal in einer Vorstandssitzung gesessen? Es ist eine Studie in biologischer Erbärmlichkeit. Man spricht dort von „Organizational Values“, „Purpose“ und „Stakeholder-Alignment“. Das ist Neusprech für: „Wie sichern wir unsere Boni, ohne dass der Pöbel Fackeln und Mistgabeln holt?“

Hier kommt die Informationsgeometrie ins Spiel, auch wenn die Anwesenden zu dumm sind, sie zu verstehen. Was in diesen Räumen passiert, ist keine ethische Abwägung, sondern die verzweifelte Suche nach einer Geodäte auf einer Riemannschen Mannigfaltigkeit, die von reiner Gier gekrümmt wird. Der metrische Tensor in diesem Raum misst nicht Abstände in Metern, sondern in Unterwürfigkeit. Die Fisher-Information repräsentiert hierbei die Präzision, mit der ein mittlerer Manager die Pheromone seines Vorgesetzten riechen kann, um dessen Meinung zu antizipieren, noch bevor dieser sie ausgesprochen hat.

Jedes Nicken, jedes falsche Lächeln, jeder Schluck des lauwarmen, bitteren Kaffees ist eine Koordinatentransformation, um die eigene Position im Machtgefüge zu stabilisieren. Und dann zücken sie ihre Waffen. Nicht Schwerter, nein. Sie ziehen absurde, überteuerte Schreibgeräte, wie dieses Montblanc Meisterstück, hervor. Ein schwarzer Harzstab, der mehr kostet als die Monatsmiete einer studentischen Hilfskraft, nur um damit Unterschriften unter Dokumente zu setzen, deren intellektueller Wert unterhalb dem des Papiers liegt, auf dem sie gedruckt sind. Es ist eine Fetischisierung der Bürokratie. Man kauft sich dieses Ding nicht, weil es besser schreibt – ein Bleistift täte es auch –, sondern um die Leere der eigenen Existenz mit einem Preisschild zu überkleben. Man wedelt mit dem Markennamen, um zu verbergen, dass die eigene Seele längst an den Meistbietenden verpfändet wurde.

Automatisierte Feigheit

Und jetzt wollen sie diesen ganzen Morast automatisieren. „AI Governance“. „Decision Manifolds“. Dass ich nicht lache. Man versucht, die „Werte“ einer Organisation in einen Algorithmus zu gießen. Das ist, als würde man versuchen, die genaue chemische Zusammensetzung eines Rülpsers zu patentieren. Eine KI, die auf den Konsensdaten menschlicher Entscheidungen trainiert wird, lernt keine Ethik. Sie lernt den Durchschnitt unserer Feigheit.

Ein neuronales Netz, das darauf optimiert ist, die Kullback-Leibler-Divergenz zu menschlichen Vorurteilen zu minimieren, ist nichts weiter als ein automatisierter Sündenbock. Es ist ein Verkaufsautomat für Ausreden, der allerdings so kaputt ist, dass er das Geld schluckt, ohne die Ware auszugeben. Wir bauen diese Systeme nicht, um gerechter zu werden. Wir bauen sie, um sagen zu können: „Der Computer hat es entschieden“, wenn wir den nächsten Sozialhilfeempfänger sanktionieren oder eine Versicherungsleistung ablehnen. Es ist die Industrialisierung der Verantwortungslosigkeit.

Was wir als „Empathie“ oder „moralische Intuition“ bezeichnen, ist ohnehin nur ein Rauschunterdrückungsverfahren unseres Gehirns, ein evolutionäres Artefakt, um die Komplexität sozialer Interaktionen handhabbar zu machen. Wir sind biologische Rechenmaschinen, die darauf programmiert sind, den energetischen Aufwand von Konflikten zu minimieren. Wenn wir nun eine Maschine bauen, die das imitiert, erhalten wir keine Superintelligenz, sondern einen digitalen Bürokraten, der mit der Geschwindigkeit von Lichtimpulsen „Nein“ sagt.

Sehen Sie mich nicht so an. Sie dachten, hier käme jetzt eine erhebende Synthese? Ein Ausblick auf eine bessere Zukunft durch Technik? Vergessen Sie es. Wir sind Punkte in einer Punktwolke, die von einem blinden Optimierungsalgorithmus hin und her geschoben werden, bis wir statistisch irrelevant sind. Trinken Sie aus. Ihre Anwesenheit verzerrt meine Wahrscheinlichkeitsverteilung.

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