Man starrt in diesen stickigen Konferenzraum, in dem die Luft nach abgestandenem Automatenkaffee, billigem Deodorant und der verzweifelten Hoffnung auf eine Gehaltserhöhung riecht, und man fragt sich unweigerlich: Ist das der Gipfel der menschlichen Evolution? Vorne an der Wand flimmert eine PowerPoint-Folie mit dem Titel „Synergieeffekte zwischen Profitabilität und Gemeinwohl“, und allein die Existenz dieses Satzes ist ein kognitiver Sondermüll, der das Gehirn schneller verrotten lässt als billiger Fusel die Leber.
Wir tun immer so, als wären „Geldverdienen“ und „Gutes tun“ zwei moralische Pole, zwischen denen wir uns entscheiden müssten. Das ist rührend, aber falsch. In der Realität der Informationsgeometrie ist eine Organisation kein Team aus Menschen mit Träumen und Wünschen, sondern eine statistische Mannigfaltigkeit des Grauens. Wir sind nichts weiter als Wahrscheinlichkeitsverteilungen auf einer gekrümmten Fläche, gefangen in einem Koordinatensystem, das von Soziopathen entworfen wurde. Das sogenannte „Spannungsfeld“ zwischen öffentlichem Interesse und wirtschaftlichem Gewinn ist kein ethisches Dilemma, sondern ein Problem divergierender Gradienten auf einer Riemannschen Mannigfaltigkeit, die so verzerrt ist wie die Selbstwahrnehmung eines mittleren Managers nach dem dritten Burnout.
Wenn wir über die innere Struktur dieses Wahnsinns sprechen, müssen wir über die Fisher-Information reden. Sie ist die Metrik dieses Raumes. Sie misst, wie empfindlich das System reagiert, wenn man an den Parametern dreht. Ein rein profitgetriebenes Unternehmen kollabiert dabei oft in eine Singularität der Gier – ein Punkt unendlicher Dichte, in dem jegliche Menschlichkeit unter dem Gravitationsdruck der Quartalszahlen zerquetscht wird. Eine öffentliche Institution hingegen, die sich dem „Gemeinwohl“ verschrieben hat, dehnt sich oft so weit aus, dass die Informationsdichte gegen Null geht. Es ist eine diffuse Wolke aus Zuständigkeitsgerangel und Formularen, in der jeder klare Gedanke sofort den Kältetod stirbt. Der Versuch, diese beiden Welten zu vereinen, gleicht dem Versuch, eine vor Fett triefende Currywurst an einer Imbissbude mit einem Meisterstück von Montblanc zu essen. Es ist technisch möglich, sieht aber grotesk aus, ruiniert das Werkzeug und hinterlässt Flecken auf der Weste, die man nie wieder herausbekommt.
Was für ein Elend. Wir versuchen dann, diese mathematische Unmöglichkeit mit „Unternehmenskultur“ zu kitten. Aber seien wir ehrlich: „Kultur“ ist in diesem Kontext nur ein Euphemismus für den verzweifelten Versuch, die Kullback-Leibler-Divergenz zu minimieren. Das ist der statistische Abstand zwischen der wahren Verteilung – also dem, was die Menschen wirklich wollen (Ruhe, Bier, Anerkennung) – und der Soll-Verteilung, die das Management vorgibt (Leidenschaft, Überstunden, „Agilität“). Wir verbrennen Unmengen an Energie, um diese Divergenz klein zu halten, ohne echtes Geld in die Hand zu nehmen. Es ist ein thermisches Desaster. Reibungsverluste werden als „Engagement“ verkauft, während die Entropie des Systems unaufhaltsam steigt.
Betrachten wir das Büro als thermodynamisches System: Ein effizienter Prozess bräuchte niedrige Entropie. Doch sobald man den Faktor „Menschlichkeit“ einführt, explodiert das Rauschen. Aus der Sicht der reinen Logik ist Mitgefühl ein Rechenfehler, ein Bug im Algorithmus, der wertvolle Zyklen verbraucht. Um das zu kompensieren, kaufen wir uns teures Spielzeug. Wir setzen uns auf einen ergonomischen Aeron Chair, dieses Wunderwerk aus Polymeren und Mesh-Gewebe, und hoffen, dass die physische Entlastung der Lendenwirbel irgendwie die psychische Last der Bedeutungslosigkeit ausgleicht. Man sitzt dann zwar bequemer, während man auf den Abgrund zusteuert, aber die Geometrie des Raumes ändert sich dadurch nicht. Die Krümmung bleibt unerbittlich.
Dass wir dabei Gefühle entwickeln, dass wir uns über Ungerechtigkeit ärgern oder uns über Erfolge freuen, ist nichts weiter als eine neurologische Fehlinterpretation chemischer Signale. Wir interpretieren die statistische Notwendigkeit einer stabilen Gruppenstruktur als „Moral“. Das ist so, als würde ein fallender Stein glauben, er täte dem Erdboden einen Gefallen, indem er ihn besucht, und dabei völlig die Gravitationsgleichungen ignorieren, die sein Schicksal längst besiegelt haben. Wir optimieren Parameter, die wir nicht kontrollieren, in Räumen, deren Dimensionen wir uns nur einbilden. Und während die Referentin vorne noch über „nachhaltige Transformation“ schwadroniert, hat die Realität längst den nächsten statistischen Zustand eingenommen. Herrgott, ich brauche noch ein Bier.
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