Das Theater
Schauen Sie sich um. Was sehen Sie wirklich? Nicht die glänzenden Fassaden der Broschüren, sondern Gesichter, die den Glanz verloren haben, sobald sie die Stechuhr passiert haben. Wir nennen es „Karriere“ oder „organisierte Arbeit“, aber seien wir ehrlich: Es ist nichts weiter als eine rituelle Selbstaufgabe, um die Miete für eine Wohnung zu zahlen, in der wir viel zu wenig Zeit verbringen, weil wir damit beschäftigt sind, unsere Seelen scheibchenweise zu verkaufen. Man könnte jetzt mit Physik kommen, mit der Thermodynamik. Aber wozu? Das Prinzip ist so simpel wie eine Tasse Instant-Nudeln, die man zu lange stehen lässt: Alles strebt dem Brei entgegen.
Wir spielen Theater. Jeden verdammten Tag. Wir nennen es „Teamwork“ oder „Synergie“, aber das sind nur Euphemismen für das kollektive Ertragen von Inkompetenz. Denken Sie an den gestrigen Vormittag. Sie saßen in einem Meeting, das eine E-Mail hätte sein können, und starrten auf eine Powerpoint-Folie, die mit Farben gefüllt war, die in der Natur nicht vorkommen. Neben Ihnen der Kollege Müller, der wieder nach diesem billigen Rasierwasser und Angstschweiß roch, während er versuchte, den Papierstau im Kopierer als metaphysisches Problem zu deuten. Das ist die Realität der „Unternehmenskultur“. Eine Ansammlung von Menschen, die nur deshalb im selben Raum sitzen, weil sie zu feige sind, zu kündigen und sich der Leere ihres Daseins zu stellen. Wir sortieren Rechnungen, wir heften Papier ab, wir regen uns über den defekten Kaffeevollautomaten auf, als wäre es der Untergang des Abendlandes. Und um diese Illusion der Wichtigkeit zu füttern, umgeben wir uns mit Talismanen. Schauen Sie sich diesen protzigen schwarzen Stab auf meinem Schreibtisch an, der dort meistens nur einstaubt. Ein Schreibgerät, das mehr kostet als mein erstes Semesterstudium, nur damit ich meine Unterschrift unter Anträge setze, die direkt in den Schredder wandern. Es ist absurd.
Gott, Ober! Ich brauche noch ein Bier. Dringend.
Die Thermodynamik
Lassen Sie uns über Entropie reden. Aber vergessen Sie die Lehrbücher und die poetischen Vergleiche mit Sternenstaub. Entropie ist in unserem Fall der direkte Weg, auf dem Ihr Gehalt vom Bankkonto verschwindet, schneller als Sie „Steuererklärung“ sagen können. Es ist das Fettgewebe, das sich unaufhaltsam um Ihre Hüften legt, egal wie viel Sie für Fitness-Apps ausgeben, während Sie acht Stunden am Tag regungslos verharren.
Wissenschaftlich gesehen ist eine Firma eine dissipative Struktur. Das klingt nobel, bedeutet aber nur, dass wir Unmengen an Energie – Strom, Koffein, Nervenzellen – hineinpumpen müssen, nur damit der Laden nicht sofort zusammenbricht. Und was sind wir in diesem System? Wir schmeicheln uns, wenn wir uns als „Wissensarbeiter“ bezeichnen. Biologisch betrachtet sind wir lediglich Schläuche, die oben teure Kohlenhydrate und lauwarmen Kantinenfraß hineinkippen, um sie unten als Exkremente wieder herauszupressen. Dazwischen produzieren wir ein bisschen Wärme und sehr viel heiße Luft. Wir sitzen auf einem teuren Netz-Stuhl, der verspricht, unsere Wirbelsäule zu retten, während wir uns krumm und bucklig machen für Quartalszahlen, die niemanden interessieren. Dieser Stuhl ist kein Möbelstück, er ist ein orthopädisches Geständnis unseres Scheiterns. Wir versuchen, den körperlichen Verfall, den dieses Sitzfleisch-Dasein verursacht, mit ergonomischem Design zu kompensieren. Lächerlich. Wir sind Batterien, die langsam auslaufen und dabei noch dankbar lächeln müssen.
Der Geist
Und jetzt kommen sie mit der „Künstlichen Intelligenz“. Die Medien und diese glattgebügelten Tech-Evangelisten schwafeln von einer neuen Ära, von „öffentlichem Wert“. Was für ein Schwachsinn. Es gibt keinen öffentlichen Wert. Es gibt nur einen gigantischen Haufen digitalen Mülls, den wir jeden Tag vergrößern. Terabytes an Excel-Tabellen, die niemand liest. E-Mail-Ketten, die im Kreis führen und deren einziger Zweck es ist, Verantwortung zu diffundieren.
Die KI ist nicht der Messias. Sie ist der Hausmeister. Oder besser: der Kammerjäger. Sie ist ein hocheffizienter Staubsauger, der darauf programmiert ist, den biologischen Schmutz – also uns – aus dem System zu entfernen. Sie optimiert das Rauschen weg. Warum sollte ein Algorithmus Verständnis für Ihre „kreative Pause“ oder Ihren Kater am Montagmorgen haben? Für die Maschine sind das Bugs. Ineffizienzen im Code, die getilgt werden müssen. Wir stehen vor keiner „Phase des Aufbruchs“. Wir stehen davor, wegrationalisiert zu werden wie eine alte Dampfmaschine. Die KI wird all die sinnlosen Berichte schreiben, die wir so hassen, und sie wird sie schneller und ohne Murren schreiben. Und was bleibt für uns? Nichts. Wir werden zu den Zuschauern unserer eigenen Obsoleszenz degradiert, während wir dabei zusehen, wie unsere Jobs in der Cloud verdampfen.
Wissen Sie was? Es ist mir auch egal. Das Bier ist leer, der Rausch lässt nach und morgen früh um acht muss ich wieder so tun, als würde mich das Schicksal der Abteilung für strategische Planung interessieren. Es ist ein Witz. Ein schlechter, endloser Witz. Und morgen fängt die ganze Scheiße wieder von vorne an.
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