Die Krümmung der Sinnlosigkeit
Was für eine groteske Farce. Da sitzen wir nun, starren in den schalen Schaum unseres dritten Weizenbiers und schwadronieren über die „Optimierung der Arbeitswelt“, als handele es sich bei der menschlichen Existenz um einen schlecht kalibrierten Motorblock aus den 1950ern. Es ist diese typisch deutsche Krankheit: Der Glaube, dass man mit genug Excel-Tabellen und „Agilität“ aus einem Haufen depressiver Primaten eine Singularität der Produktivität erzeugen kann. Aber seien wir ehrlich: Was die moderne Management-Lehre als „Synergie“ verkauft, ist physikalisch betrachtet nichts weiter als der verzweifelte Versuch, die Entropie in einem geschlossenen System zu senken, während der Hausmeister im Kopf bereits das Licht ausgeschaltet hat.
Die Riemannsche Geometrie des Burnouts
Betrachten wir die Arbeit nicht als moralische Pflicht, sondern als das, was sie im Kern ist: ein Punkt auf einer statistischen Mannigfaltigkeit. In der Informationsgeometrie beschreiben wir den Raum der Wahrscheinlichkeitsverteilungen mit der Fisher-Informationsmetrik. Ein Unternehmen ist in diesem Sinne nichts anderes als eine Ansammlung von Agenten, deren Output-Vektoren auf einer mehrdimensionalen Fläche herumirren. Wenn der Vorstand von „Kulturwandel“ faselt, meint er eigentlich eine Deformation dieser Metrik. Er möchte, dass jede noch so kleine Bewegung eines Mitarbeiters – sagen wir, das Tippen einer völlig redundanten „FYI“-E-Mail – den maximalen Effekt auf die Zielfunktion hat.
Das Problem dabei? Die Metrik dieses Raumes ist nicht flach. Sie ist so verbeult, narbig und verzerrt wie die Stoßstange eines alten VW Polo nach einer Nacht auf der Reeperbahn. Wir versuchen, menschliche Kapazitäten zu optimieren, indem wir sie in euklidische Raster pressen, dabei ist die Realität der Arbeit nicht-euklidisch. Der psychische Aufwand, den man betreiben muss, um ein Projekt von 95 % auf 99 % zu bringen, krümmt den Raum so stark, dass die Zeit für den einzelnen Arbeiter buchstäblich langsamer vergeht. Zwei Kollegen, die am selben Projekt starten, entfernen sich entlang geodätischer Linien unweigerlich voneinander, bis sie sich nur noch über passive-aggressive Notizen in Jira verständigen können. Das nennt man dann „Crunch Time“. In Wahrheit ist es ein Riss im Raum-Zeit-Kontinuum der Motivation.
Thermodynamik der Bürokratie
Kommen wir zum „Public Value“. Ein schöner Begriff, nicht wahr? Er suggeriert, dass durch unsere kollektive Plackerei etwas Bleibendes für die Gesellschaft entsteht. Ein fataler Irrtum. In der Thermodynamik wissen wir, dass jede Informationsverarbeitung Energie kostet und Abwärme erzeugt. Die deutsche öffentliche Verwaltung ist das beste Beispiel für ein System, das fast ausschließlich Abwärme produziert.
Stellen Sie sich die Bürokratie als einen fraktalen Fleischwolf vor. Oben werfen wir Steuergelder und menschliche Ambitionen hinein. Was unten herauskommt, ist kein nahrhaftes Produkt, sondern ein grauer Brei aus Zuständigkeiten. Information fließt hier nicht; sie sublimiert. Sie geht direkt vom festen Zustand des Aktenvermerks in den gasförmigen Zustand der heißen Luft über, die in Talkshows verblasen wird, ohne jemals die flüssige Phase der produktiven Umsetzung zu berühren. Wir messen den Fortschritt in Bit und Byte, während die geometrische Realität unserer Arbeitswelt längst kollabiert ist. Das Geräusch, das Sie hören, ist nicht der Wind des Wandels, sondern das Zischen von Steuergeldern, die auf den heißen Platten der Inkompetenz verdampfen.
Der Fetisch der Ausstattung
Und wie reagieren wir auf diesen strukturellen Zerfall? Mit Konsum. Wir versuchen, die innere Leere durch äußere Präzision zu kompensieren. Wir sehnen uns danach, dass unsere Organisationen so reibungslos ineinandergreifen wie das Uhrwerk einer A. Lange & Söhne, wo jedes Zahnrad aus reinem Gold und sächsischer Ingenieurskunst eine unwiderlegbare Daseinsberechtigung hat. Ein schöner Traum von Ordnung in einer Welt des Chaos. Doch die Realität ist kein Glashütter Tourbillon. Die Realität ist ein verrosteter Trabant, dem jemand einen Spoiler aus Pappe aufgeklebt hat.
Da kauft man sich für horrende Summen einen Herman Miller Aeron, diesen Thron der modernen Leibeigenschaft, nur um festzustellen, dass die Wirbelsäule unter der Last der bürokratischen Sinnlosigkeit trotzdem einknickt. Ein ergonomisches Wunderwerk, sicher. Aber es ändert nichts an der Tatsache, dass Sie Ihre Lebenszeit gegen PowerPoint-Folien eintauschen, die niemand liest. Es ist, als würde man einem Ertrinkenden eine goldene Krawattennadel zuwerfen. Ein schönes Accessoire für den Untergang.
Die Vorstellung, dass wir durch noch präzisere algorithmische Steuerung der „Human Resources“ den heiligen Gral der Produktivität finden, ist die größte kollektive Halluzination seit der Erfindung des Perpetuum Mobile. Wir sind keine Vektoren in einem Hilbert-Raum. Wir sind fehleranfällige, biologische Entitäten, die versuchen, in einem System zu überleben, das für Maschinen entworfen wurde, die weitaus weniger Durst haben als ich in diesem Moment.
Herrgott, ist das Glas schon wieder leer? Bedienung! Noch eins. Und bringen Sie einen Schnaps dazu. Den werden wir brauchen, wenn morgen früh der Wecker wieder diese geometrische Verzerrung namens „Montag“ einläutet.
Völliger Wahnsinn, das alles.
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