Prosit. Setzen Sie sich. Man hat mir gesagt, wir sprächen heute über die „Neugestaltung des öffentlichen Raums“. Ein herrlicher Euphemismus für das Chaos, das entsteht, wenn man versucht, drei Deutsche dazu zu bringen, sich auf eine gemeinsame Pizzabestellung zu einigen, ohne dabei das Grundgesetz zu zitieren oder einen Arbeitskreis zu bilden.
Wir klammern uns verzweifelt an die Vorstellung, dass soziale Steuerung ein moralischer Akt sei. Dass wir durch Diskurs – dieses endlose Wiederkäuen von Halbwahrheiten in schlecht klimatisierten Konferenzräumen – zu einer objektiven Wahrheit fänden. Was für ein monumentaler Irrtum. Wenn wir die soziologische Romantik abstreifen, bleibt nichts weiter übrig als ein Sumpf aus Daten, dessen topologische Krümmung so steil ist wie die Preissteigerung für ein lauwarmes Bier am Bahnhofskiosk. Jede rationale Debatte landet zwangsläufig im Graben der kognitiven Dissonanz. Es ist wie der Versuch, die Deutsche Bahn nach Fahrplan zu betreiben: Die mathematische Theorie existiert, aber die Realität ist ein nicht-linearer Albtraum aus defekten Oberleitungen, Signalstörungen und dem Geruch von nassen Wintermänteln, der sich wie eine zähe Schicht über jede Hoffnung legt.
Der Apparat der Ermüdung
In der Welt der Informationstheorie ist das, was wir „Öffentlichkeit“ nennen, lediglich ein statistisches Ensemble von Zuständen. Wir bewegen uns auf einer hyperdimensionalen Fläche, wobei jeder Punkt die Wahrscheinlichkeit darstellt, dass man uns wieder einmal nach Strich und Faden belügt. Wenn wir versuchen, diesen bürokratischen Haufen zu verwalten, minimieren wir nicht das Leid der Bevölkerung, sondern nur den euklidischen Abstand zwischen der aktuellen Misere und dem nächsten Gehaltsscheck.
Das eigentliche Problem ist die physische Reibung. Ein Konsens ist kein mathematisches Ideal, sondern das banale Resultat von physiologischer Erschöpfung. Man gibt nach, nicht weil das Argument überzeugt, sondern weil der Hunger auf ein Schnitzel in der Kantine größer ist als der Wille zur Wahrheit. Die „Krümmung“ dieses Raumes wird nicht durch Logik bestimmt, sondern durch die schiere Masse an menschlicher Irritation. Wenn der Kollege im Meeting, der offenbar noch nie etwas von Deodorant gehört hat, mit seinen Fingern rhythmisch auf dem Tisch trommelt, verzerrt dieses Geräusch die Geometrie der Vernunft stärker als jedes Sachargument. Es ist eine Kakophonie der Inkompetenz. Es erinnert mich an den Aufbau eines IKEA-Regals, bei dem man die letzte Schraube so fest anzieht, dass das billige Pressspan-Holz unter dem Druck der eigenen Unfähigkeit splittert. Man wollte Stabilität und erzeugt Ruinen, während man fluchend mit einem völlig überteuerten Präzisions-Schraubendreher-Set hantiert, das auch nicht verhindert, dass alles in sich zusammenbricht.
Geometrie des täglichen Hasses
Betrachten wir die automatisierten Entscheidungssysteme, diese „Blackbox-Orakel“, die uns angeblich retten sollen. Man versucht, menschliche Werte in Algorithmen zu gießen. Aber Werte sind keine festen Koordinaten; sie sind so flüchtig und unappetitlich wie die Konsistenz der Sauce auf einer billigen Currywurst, die einem den Magen verdirbt. Wenn wir versuchen, diese diffusen Wolken durch starre Regelsätze zu fixieren, erzeugen wir Singularitäten des Wahnsinns. Eine Maschine, die auf „Fairness“ optimiert wird, ohne den Schweiß, den Neid und die Geltungssucht des Pöbels zu kennen, agiert wie ein Betrunkener, der versucht, auf einem Wasserbett zu balancieren, während er mit einem Platin-Füllfederhalter unleserliche Dekrete unterschreibt, die niemand befolgen wird.
Jede Entscheidung ist im Grunde eine Geodäte auf einer Mannigfaltigkeit des Elends. Doch während die Philosophen noch über „Ethik“ streiten, hat der Blutzuckerspiegel längst das Kommando übernommen. Ein Konsens ist nichts anderes als ein Zustand minimaler Energie – ein Moment, in dem alle Beteiligten zu müde sind, um weiter zu schreien. Es kostet enorme Mengen an bitterem Kaffee und unwiederbringlicher Lebenszeit, diesen instabilen Zustand aufrechtzuerhalten. Wussten Sie eigentlich, dass manche Leute ernsthaft ein kleines Vermögen für einen dieser monströsen ergonomischen Bürostühle ausgeben, nur um dann acht Stunden lang krumm wie eine Banane vor einem Bildschirm zu degenerieren? Ein stolzer Preis für die Illusion, dass die Wirbelsäule wichtiger sei als der geistige Verfall, der sich langsam in jede Pore frisst.
Thermodynamik der Gleichgültigkeit
Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass wir durch technokratische Kniffe eine gerechtere Welt schaffen. Was wir tun, ist eine Neukalibrierung des kollektiven Blutdrucks. Gefühle, Empathie, Empörung? Das sind lediglich thermische Rauschen im System, so störend und sinnlos wie das Gejammer eines Kollegen, dem sein nagelneues, hochgelobtes Smartphone in die Toilette gefallen ist. Ein „Shitstorm“ ist nichts weiter als eine lokale Spitze der Entropie, die verraucht, sobald das nächste Sonderangebot für Hackfleisch im Supermarkt erscheint.
Die menschliche Sehnsucht nach „Eindeutigkeit“ ist der eigentliche Systemfehler. Wir wollen, dass die Welt flach ist, damit wir unsere simplen Lineale anlegen können. Aber die Welt ist ein fraktaler Albtraum, zutiefst gleichgültig gegenüber unseren Versuchen, sie in „gut“ oder „böse“ zu unterteilen. Wir sind wie Kinder, die mit klebrigen Fingern versuchen, das Universum zu ordnen, während unsere Noise-Cancelling-Kopfhörer uns erfolgreich von der Realität abschirmen, dass wir längst den Verstand verloren haben.
Was für ein Quatsch.
Manchmal frage ich mich, ob die totale Automatisierung des Gehorsams nicht die ehrlichere Lösung wäre. Wenn die Maschine das Ergebnis einfach ausspuckt, könnten wir uns die Zeit für diese lächerlichen Debatten sparen und stattdessen das Ladekabel suchen, bevor der letzte Rest unseres digitalen Bewusstseins erlischt. Ich will nach Hause. Die statistische Signifikanz dieses Gesprächs war ohnehin nie vorhanden.