Setzen Sie sich. Nein, nicht dorthin – der Stuhl wackelt so bedenklich wie die Liquiditätsplanung eines Berliner Start-ups, das versucht, „Achtsamkeit“ als Blockchain-Service zu verkaufen. Bestellen wir erst einmal ein Bier, bevor wir uns in die intellektuelle Jauchegrube dessen begeben, was Sie in Ihrer grenzenlosen Naivität „Unternehmenswert“ nennen.
Es ist doch amüsant: Wir verbringen den Großteil unserer biologischen Existenz damit, in klimatisierten Glaskästen zu sitzen und so zu tun, als besäßen Organisationen einen teleologischen Geist. Wir sprechen von „Unternehmenskultur“, als wäre es eine metaphysische Entität. Dabei ist ein Unternehmen – wenn man die sentimentale Glasur abkratzt – rein ontologisch betrachtet nichts weiter als eine Solidargemeinschaft zur Plünderung einer gemeinsamen Brieftasche. Eine Ansammlung von Kohlenstoffeinheiten, die versuchen, den unvermeidlichen Wärmetod des Universums durch das exzessive Ausfüllen von Excel-Tabellen hinauszuzögern. Ein vergebliches Unterfangen, natürlich.
Die Geometrie des Selbstbetrugs
Betrachten wir das Ganze durch die kalte, unbestechliche Linse der Informationsgeometrie. Vergessen Sie die bunten Organigramme. Ein Unternehmen ist eine statistische Mannigfaltigkeit. Jeder Geschäftsprozess, jede „Vision“, jeder schale Slogan an der Wand der Teeküche ist lediglich ein Punkt auf einem Raum von Wahrscheinlichkeitsverteilungen. Was Sie als „Wertschöpfung“ bezeichnen, ist nichts anderes als die Bewegung entlang eines geodätischen Pfades auf dieser Oberfläche, getrieben von der Angst vor dem sozialen Abstieg.
Doch hier liegt die Krux: Die Metrik dieses Raumes – die Fisher-Information – misst in der Realität nicht den Informationsgewinn, sondern den Grad des Schmerzes. Die Krümmung der Arbeitswelt ist direkt proportional zur Intensität der Knoblauchfahne Ihres Sitznachbarn in der morgendlichen S-Bahn. Wir optimieren diese Krümmung nicht für Effizienz, sondern für maximale Anpassung an den Durchschnitt. Das Resultat ist eine Topologie der totalen Mittelmäßigkeit, so flach und ereignislos wie die Enzephalografie eines komatösen Goldfisches.
Thermodynamik der Bürokratie
Man muss sich die moderne „organisatorische Inferenz“ vorstellen wie einen dieser defekten Kaffeeautomaten in der Zulassungsstelle. Sie werfen Ihre Lebenszeit oben hinein – Münze für Münze –, drücken auf den Knopf „Karriere“, und unten kommt eine lauwarme, bräunliche Flüssigkeit heraus, die nach Systemfehler schmeckt. Das System ist eine thermodynamische Katastrophe.
Ihre Arbeit, diese ach so heiligen „Projekte“, sind nichts weiter als Rauschen im Kanal. Sie produzieren gigantische Mengen an Datenmüll, nur damit dieser am nächsten Morgen von einem unverschämt präzisen Aktenvernichter, der wahrscheinlich intelligenter ist als Ihr Abteilungsleiter, wieder in seine atomaren Bestandteile zerlegt wird. Dieser Kreislauf aus Erschaffung und Zerstörung generiert keinen Wert, er generiert lediglich Entropie. In der kalten Welt der Physik ist Ihre „Leidenschaft“ für den Job ein systemischer Bug, eine unnötige Erhöhung der Betriebstemperatur, die wir teuer wegkühlen müssen.
Der Fetischismus der Hardware
Was mich wirklich fassungslos macht, ist der Versuch, diese existentielle Leere durch Hardware zu kompensieren. Es ist wie der Kauf einer überteuerten deutschen Systemküche, die man sich in eine Einzimmerwohnung zwängt: Sie sieht fantastisch aus, suggeriert Funktionalität und kulinarische Exzellenz, aber am Ende stehen Sie doch nur davor und essen kalte Ravioli aus der Dose, weil Sie die Leasingraten für den Korpus erdrücken. Genauso verhält es sich mit den Büros.
Da stellen diese Firmen Ihnen einen ergonomischen Design-Bürostuhl aus poliertem Aluminium unter den Hintern, dessen Preis das Bruttoinlandsprodukt eines kleinen Inselstaates übersteigt. Und wofür? Damit Sie Ihre Bandscheiben noch effizienter ruinieren können, während Sie auf einen Bildschirm starren, der Ihnen die Sinnlosigkeit Ihrer Existenz in 4K-Auflösung zurückspiegelt. Es ist ein Cargo-Kult. Wir simulieren Produktivität durch die Anwesenheit teurer Sitzmöbel, während der menschliche Geist – die eigentliche Software – längst im Energiesparmodus vor sich hin vegetiert.
Asymptotische Agonie
Wir bewegen uns auf einen Zustand zu, den man als „topologischen Kollaps“ bezeichnen könnte. Wenn die algorithmischen Prozesse die Oberhand gewinnen, gibt es keine „Diversität“ der Geschäftsmodelle mehr. Alles strebt einem globalen Minimum an Kosten und einem globalen Maximum an Vorhersehbarkeit entgegen. Das ist die totale Symmetrie. Und wie jeder Physiker Ihnen bestätigen wird: Totale Symmetrie ist der Zustand des Universums nach dem Kältetod. Absolute Stille.
Sie sind in diesem Szenario kein Rädchen im Getriebe. Das wäre zu schmeichelhaft. Sie sind die Abwärme eines Smartphones, dessen Akku gleich den Geist aufgibt. Sie existieren nur noch als thermische Ineffizienz, die darauf wartet, wegoptimiert zu werden.
Trinken Sie aus. Die Bedienung schaut schon so, als ob sie unsere Aufenthaltswahrscheinlichkeit gegen den potenziellen Umsatz eines neuen Gastes verrechnet. Die Krümmung der Gastronomie-Logik ist gnadenlos. Verschwinden wir, bevor wir endgültig als statistische Anomalie klassifiziert werden.
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